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Wie viel Presse braucht man heute eigentlich noch? Im Notified Business Lunch Talk wurde schnell deutlich: Reichweite ist nicht mehr automatisch Relevanz.

 

„Speed ist in der PR kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern eine Grundvoraussetzung.
Wer 2026 relevant bleiben will, muss Einordnung liefern, nicht nur Eilmeldungen."

Michael Winter, Senior Solutions Specialist Notified

 

Inhalte lassen sich heute per Knopfdruck erstellen, verbreiten und skalieren – in einer Qualität und Reichweite, die früher großen Medienhäusern vorbehalten war. Doch diese neue Leichtigkeit hat ihren Preis: Sichtbarkeit entsteht schnell, Differenzierung nicht. Wer heute wirklich zu Entscheidern durchdringen will, muss verstehen, wie moderne Medien auswählen – und was Inhalte leisten müssen, um hängen zu bleiben.

 

Das zweistufige Modell: Wie moderne Redaktionen heute arbeiten

 

Schnelligkeit ist zur Commodity geworden. Sie wird nicht mehr belohnt, sondern vorausgesetzt. Gerade deshalb reicht die reine Erstveröffentlichung einer Meldung nicht mehr aus, um Relevanz zu erzeugen.

Catiana Krapp, Redakteurin beim Handelsblatt, hat im Talk sehr präzise beschrieben, wie große Medienhäuser heute arbeiten:

  • Ebene 1: Speed – Ein News-Team bringt Fakten so schnell wie möglich in den Markt, um den unmittelbaren Bedarf an aktueller Information zu decken.
  • Ebene 2: Depth – Fachautoren analysieren das „Warum", liefern die tieferen Details und ordnen Themen strategisch in größere Zusammenhänge ein.

Wer nur Ebene 1 bedient, bleibt bei der reinen Faktenmeldung – und damit austauschbar. Wirkung entsteht erst auf Ebene 2: Dort, wo Nachrichten eingeordnet, weitergedacht und in Bedeutung übersetzt werden – für Medien, Märkte und Zielgruppen. Für PR heißt das: Inhalte müssen genau dort anschlussfähig werden.

 

Raus aus der Produktfalle

 

Hier beginnt das eigentliche Problem: Viele Unternehmen verlieren im Alltag den Blick von außen. Was intern wichtig erscheint, hat für Redaktionen oft noch keinen Nachrichtenwert. Justus Schirmacher vom Platow Brief spricht in diesem Zusammenhang von „der richtigen Flughöhe". Reine Produktmeldungen sind für sein Format nicht relevant. Entscheidend ist der Blickwinkel für Entscheider: Was lässt sich daraus über einen Markt, eine Branche oder ein relevantes Marktumfeld ableiten?

Wer in anspruchsvollen Wirtschafts- und Fachmedien stattfinden will, muss Produktkommunikation durch Nutzwert ersetzen:

  • Welche Auswirkungen hat ein Thema?
  • Warum ist es für die Zielgruppe relevant?
  • Welchen neuen Blickwinkel bringt es mit?

An diesem Punkt trennt sich PR von Journalismus: PR setzt den Impuls, Journalismus prüft, gewichtet und ordnet ein. „Unser Mehrwert als Journalisten ist der kritische Blick von außen", bringt er es auf den Punkt.

Für PR bedeutet das: Wer Medien überzeugen will, muss aus Unternehmensnachrichten anschlussfähige Geschichten machen. Nicht jede Botschaft muss lauter werden. Aber sie muss besser begründet sein.

 

Strategische Freiräume schaffen

 

Wie lässt sich der Anspruch an Tiefe und Einordnung in einem immer schnelleren operativen Alltag überhaupt einlösen? Moderne PR-Tools entfalten ihren Wert nicht durch mehr Output, sondern durch mehr Fokus. Plattformen wie GlobeNewswire übernehmen die breite Distribution – und schaffen damit Freiräume für das, was heute wirklich Wirkung entfaltet:

  • bessere Geschichten
  • stärkere Einordnung
  • echte Beziehungen zu Journalisten

Technologie ersetzt keine Inhalte und keine menschliche Expertise. Aber sie reduziert operative Reibung – und macht relevante Kommunikation im Alltag verlässlicher umsetzbar.

 

Die Konsequenz für moderne PR

  • Denken Sie in Zusammenhängen, nicht in Meldungen: Relevanz entsteht nicht durch Reichweite allein, sondern durch Kontext.
  • Verlassen Sie die Produktlogik: Entscheidend ist nicht, was ein Unternehmen sagen will, sondern was für Medien und Zielgruppen wirklich Bedeutung hat.
  • Nutzen Sie Technologie strategisch: Nicht für mehr Lärm, sondern für mehr Qualität, bessere Inhalte und stärkere Beziehungen.

Schnelligkeit ist heute Standard. Entscheidend ist, wer Bedeutung schafft.

 

Der Notified Lunch Talk als Serie – Teil 1

 

Dieser Beitrag ist Teil unserer vierteiligen Deep-Dive-Serie zum Notified Lunch Talk „Wie viel Presse braucht man heute eigentlich noch?". Gemeinsam mit Catiana Krapp (Handelsblatt), Birte Orth-Freese (TE Communications), Justus Schirmacher (Der Platow Brief), Michael Winter (Notified) sowie Moderator Axel Schiel (Moderator) haben wir analysiert, wie sich das Zusammenspiel von Redaktionen und PR verändert.

Die Serie im Überblick:

  1. Das Ende der reinen Reichweite: Warum Einordnung die neue Leitwährung der PR ist
  2. Der Vertrauensfaktor: Warum Earned Media unersetzlich bleibt
  3. Mensch & Maschine: Warum Sichtbarkeit Struktur braucht
  4. Was wirklich zählt: Wie man 2026 noch Gehör bei Entscheidern findet

 

Lesen Sie in Teil 2, warum Earned Media in der Informationsflut unersetzlich bleibt.

 

Lunch Talk im Replay: Erleben Sie die Experten-Insights in voller Länge.