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Risikofaktor Desinformation – wie sich Unternehmen wehren können

Dass Gerüchte Kurse bewegen können, ist nicht neu – neu ist die Asymmetrie: minimaler Aufwand, enorme Wirkung, aufwändige Abwehr. Die zerstörerische Kraft sozialer Medien zeigte sich bei den Angriffen auf Impfstoffhersteller während der Corona-Pandemie oder der Pariser Bettwanzenhysterie 2023, die den Tourismus in Paris zum Erliegen brachte.

Das Problem: Märkte, Investoren, Kunden – alle leben in einem Zustand der konstanten Verunsicherung und sind empfänglich für faktenfreie Inszenierungen. Das bildet den Humus für Desinformationskampagnen, meint der der Kommunikationsberater Uwe Wolff. Verhindern lassen sich solche Angriffe nicht, aber wer sich gut vorbereitet, der kann sich zur Wehr setzen.

„Im Fokus von Desinformationsangriffen stehen häufig große, exponierte Unternehmen. Aber es kann auch kleinere treffen und diese sind meist schlecht vorbereitet“, das sagt Uwe Wolff von der Berliner Kommunikationsberatung NAïMA. Wolff ist Experte für Krisenkommunikation und die Abwehr von Desinformationskampagnen. Während Unternehmen inzwischen für die Risiken von Cyberangriffen sensibilisiert sind, sei das hinsichtlich Desinformationsangriffen nur selten der Fall. Dabei können Folgen solcher noch schwerwiegender sein.

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Wenn künstliche Intelligenz einen „Bank Run“ auslöst

„Fakten lassen sich zunehmend schwerer vermitteln, Wissenschaft zählt weniger, Realität wird verhandelbar – die Post-Truth-Ära gleitet in eine Post-Reality-Welt. Was zählt, ist nicht mehr, was wahr ist, sondern was sich gut anfühlt, was zu den eigenen Voreinstellungen passt“, so Wolff.

In diesem Umfeld wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger ihre Belange zu kommunizieren, besonders in Bereichen wie Investor Relations. „Seit Jahren berate ich Unternehmen in Krisensituationen und habe gesehen, wie schnell eine einzige Falschmeldung Vertrauen zerstören, Märkte bewegen und Reputationen schädigen kann – oft bevor die Unternehmensleitung überhaupt bemerkt, was vor sich geht.“

Wolff verweist auf eine Simulationsstudie, die kürzlich in Großbritannien durchgeführt wurde. Sie zeigte, wie 1.000 KI-generierte Beiträge, die innerhalb einer einzigen Minute verbreitet wurden, Panik unter den Kunden einer Bank auslösen und in kurzer Zeit zu Abbuchungen in Höhe von 3 bis 10 Millionen GBP führen können. Die Kosten der Kampagne: 10 GBP.

Die Angreifer bereiten sich meist akribisch vor, suchen nach einem wahren Kern, den sie aufgreifen und der dann leicht verfangen kann. Beispielsweise, wenn ein Fehlverhalten in der Vergangenheit weitergestrickt wird. Entsprechend müssen sich auch Unternehmen gegen potenzielle Angriffsszenarien wappnen und Strategien für den Umgang mit Desinformationsrisiken entwickeln.

Vier Phasen der Abwehr von Desinformationsrisiken

Um sich strategisch gegen Angriffe zu wappnen bzw. zu Wehr zu setzten, gibt es vier unterschiedliche Phasen.

  1. Vorbereitung
  2. Beobachtung
  3. Abwehr
  4. Nachbereitung

Konkret nennt Wolff fünf kritische Punkte, die jedes Unternehmen beherzigen sollte, um sich auf die Abwehr einer Desinformationskampagne vorzubereiten:

  1. Gerüstet sein

Bereiten Sie das Unternehmen sorgfältig auf mögliche Krisensituationen vor. Das betrifft nicht nur das Management und die Kommunikationsabteilungen, sondern letztlich die gesamte Belegschaft.

  1. Geschwindigkeit entscheidet

Erstellen Sie Ablaufpläne für unterschiedliche Szenarien.

  1. Seismografen aufstellen

Etablieren Sie ein Frühwarnsystem, das bei auffälligen Aktivitäten Alarm schlägt. Behalten Sie dabei unbedingt Social Media im Auge – Stichwort: „Digital Listening“.

  1. Transparenz schaffen

Sagen Sie, was Sache ist, und legen Sie auch offen, was Sie nicht wissen.

  1. Täter identifizieren

Legen Sie die Identität und Motivation der Täter offen.

Doch wie lassen sich heute noch Fakten kommunizieren? Wie erreichen Unternehmen emotional aufgewühlte und verunsicherte Adressaten? Oder rennen IR und PR nur noch gegen Gummiwände?

Wie Best-in-Class-Teams zusammenarbeiten, darüber diskutiert Uwe Wolff am 19. November im Capital Narratives Webinar von Notified, Dr. Anke Kugelstadt, Lead Corporate Communication bei AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG und Dr. Matthias Kromayer, Managing Partner bei MIG Capital AG. Moderiert wird dieser Online Business Lunch Talk von transkript-Chefredakteur Dr. Georg Kääb.

Uwe Wolff ist Verfasser des Buchs "Desinformationsangriffe auf Unternehmen abwehren", das 2024 im Springer Gabler Verlag erschienen ist. Aufgrund der hohen Nachfrage und des internationalen Interesses wird es demnächst auch auf Englisch bei Springer Nature veröffentlicht.

Uwe Wolff



 

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